„Abwarten und Tee trinken“ – und trainieren!

Im deutschen Profifußball wird eifrig über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Form von Geisterspielen diskutiert – definitive Entscheidungen stehen jedoch noch aus. Und auch im regionalen Amateurbereich wurden Ende letzter Woche im Rahmen einer Onlinekonferenz durch den Verband keine neuen Entscheidungen an die Vereinsvertreter übermittelt. „Es heißt weiterhin abwarten und Tee trinken“, übt sich Manuel Harter, Manager des Landesligisten SV Oberwolfach, in Geduld.

In Geduld üben müssen sich auch die SVO-Spieler und deren Trainer Jogi Kehl, da nach wie vor kein Mannschaftstraining erlaubt ist. Der Coach hat seinen Kickern keinen speziellen Trainingsplan für die Corona-Pause an die Hand gegeben. „Sie sollen an den Tagen, an denen wir Training oder ein Spiel gehabt hätten, eine Einheit für sich machen“, so Kehl. Wie genau diese Einheit inhaltlich aussehen soll, gibt der Trainer seinen Jungs nicht vor, wohl wissend „dass ich den Spielern in dieser Hinsicht voll vertrauen kann und jeder gewissenhaft individuell oder in Zweiergruppen an seiner Fitness arbeitet.“ Abwechslung zu den eintönigen Laufeinheiten, die alle absolvieren, ist hierbei Trumpf. Stürmer Jonas Wolf und Innenverteidiger Nils Springmann beispielsweise treffen sich regelmäßig auf der Wiese neben Wolfs Elternhaus und arbeiteten mit dem Ball. Regisseur Philipp Heitzmann trainiert an seinen privaten Fitnessgeräten im Freien oft zusammen mit Lukas Hauer. Der gebürtige Oberwolfacher Hauer spielte in den zurückliegenden Jahren in den USA, darf dort aufgrund der aktuellen Corona-Bestimmungen momentan aber nicht wieder einreisen. Auch Linksverteidiger Jesco Armbruster ist hin und wieder bei Heitzmann zu Gast und stemmt Gewichte. Sechser Steffen Wild sorgt durch Freeletics-Übungen für Abwechslung und Rechtsverteidiger Tobias Dreher fährt täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit nach Haslach. Daher ist Coach Kehl vor einer eventuellen Wiederaufnahme des Ligabetriebs nicht bange. „Die Spieler kommen alle fit aus der Pause, da mache ich mir keine Sorgen. Ich denke, dass uns zwei Wochen Mannschaftstraining auf dem Platz reichen, damit wir wieder guten Fußball spielen können“, so der SVO-Übrungsleiter, der einmal pro Woche mit Co-Trainer Daniel Schmieder telefoniert, „um uns auszutuschen und um Entzugserscheinungen zu vermeiden. Immerhin verbringen wir normalerweise viel Zeit miteinander“, sagt Kehl augenzwinkernd. Auch mit den anderen Verantwortlichen ist der Trainer in regem Austausch. „Uns allen wäre es am liebsten, wenn die Runde ab einem geeigneten Zeitpunkt zu Ende gespielt werden könnte. Wenn nötig mit englischen Wochen, verkürzter Sommerpause und späterem Beginn der nächsten Saison. Ansonsten ist eine Klageflut von Vereinen zu befürchten, die sich benachteiligt fühlen“, so die Einschätzung von Jogi Kehl. Neben vielen negativen Aspekten hat die Corona-Zwangspause für manche Spieler auch etwas Positives. Die Nummer zwei im Oberwolfacher Tor, Oliver Mai, musste sich im Winter einer Meniskus-OP unterziehen und hätte bei einem normalen Saisonverlauf große Teile der Rückrunde verpasst. Aufgrund der Pause hatte der Keeper ausreichend Zeit zur Reha und somit gute Chancen, bei einer möglichen Fortsetzung des Spielbetriebs wieder mitwirken zu können.

(von Jan Schmider)

Fotos:

Corona-Training I
Philipp Heitzmann (links) und Lukas Hauer beim Freiluft-Krafttraining.

Corona-Training II
Jonas Wolf (links) und Nils Springmann beim Training mit Ball auf der Wiese.